„Hast du Töne?“ – Material zum Klingen bringen
Im Schuljahr 2009/2010 fand für den Projektunterricht (MenuK) der 4. Klassen eine Kooperation zwischen der Hans-Thoma-Schule Karlsruhe und dem jubez / Stadtjugendausschuss Karlsruhe e.V. statt.
In alle Werkstätten kreativ arbeiten
Im jubez bestand für die SchülerInnen die Möglichkeit, themenbezogen in den verschiedenen Werkstätten zu arbeiten. Gewerkelt wurde somit in der Holz-, Keramik, Textil- und Medienwerkstatt. Die Klassen wurden jeweils innerhalb zwei Klassen gemischt und auf die vier jubez-Werkstätten verteilt. Jedes Kind hatte die Möglichkeit, in allen Werkstätten für drei Wochen zu arbeiten. Da die Räume nur für maximal 30 Schüler ausgerichtet sind, wechselten sich jeweils zwei Klassen ab. Das heißt, die Kinder hatten alle zwei Wochen die Möglichkeit in den Werkstätten zu arbeiten, insgesamt waren es pro Klasse 15 Wochen, die sie in den Werkstätten verbrachten. Parallel dazu wurde in der Schule mit den anderen beiden Klassen gearbeitet.
Neues erfahren abseits des Schulalltags
Im Rahmen der Kooperation wurde eine Verknüpfung von Schul- und Jugendarbeit hergestellt. Die Kinder sollten einen Kontrast zum schulischen Arbeiten erfahren und selbst agieren können. Hierbei lernten sie den Umgang mit verschiedenen Materialen und erfuhren die Vielfalt des kreativen Arbeitens. In der Schule schrieben die Kinder zu den jeweiligen Werkstätten einen kleinen Rückblick.
Hier ging es ans Eingemachte
In den Werkstätten konnten die Kinder unter fachmännischer Anleitung zu dem übergeordneten Thema Musik, Ton und Akustik arbeiten. Konkret hieß das für die einzelnen Werkstätten, dass materialspezifisch verschiedene Dinge umgesetzt wurden:
Kreatives Arbeiten mit Holz
In der Holzwerkstatt bauten die Kinder so genannte Baumharfen. Dazu höhlten sie zuerst ein Stück eines halbierten Stammes aus, was sehr gut geeignet ist, um sich dem Material Holz anzunähern. Im nächsten Arbeitsschritt gestalteten sie die Deckplatte in einer Laubsägearbeit und spannten anschließend die Saiten auf und fixierten Holzkugeln, die die Saiten zum Klingen bringen.
Mit Ton zum Ton
Ebenfalls Musikinstrumente gestalteten die Kinder in der Keramikwerkstatt. Nach dem Einstieg mit physikalischen Experimenten mit getrocknetem und gebranntem Ton gestalteten die SchülerInnen Daumenschalen. In weiteren Arbeitsschritten an den darauffolgenden Terminen formten die Kinder Rasselsteine, die sehr unterschiedlich aussehen können: Vom Monster über ein Herz oder einer Rassel, die aussieht wie eine Calzone, war alles dabei. Zuletzt wurden Flöten oder Trompeten – inzwischen auch Vuvuzeelas - modelliert, die am letzten Termin farbig glasiert wurden.
Textiles für die Abschlussveranstaltung
Für die fertigen Instrumente und für die Abschlusspräsentation mit einer kleinen Aufführung, wurden in der Textilwerkstatt entweder Taschen oder Mützen genäht. Dafür werden Stoffe bei den Eltern gesammelt oder alte T-Shirts von den Kindern mitgebracht. Über die Auswahl der Stoffe, den Schnitt, das Selbernähen an der Nähmaschine und das Verzieren lernten die Kinder alle Arbeitsschritte kennen.
Für Hörspiele ans Mikrofon
Mit einem Aufnahmegerät und der Software Audacity produzierten die Kinder in der Medienwerkstatt Hörstücke. Dazu nahmen sie ihre eigenen Stimmen (mit unterschiedlichen Rollen wie Bibi Blocksberg, Spiderman oder Michael Jackson) und Geräusche auf. Der Zugang zu einem kreativen Umgang mit dem Computer wird so schon im Grundschulalter ermöglicht.
Ziel der Kooperation
Das handwerkliche Tun fördert Motorik, Koordination, räumliches Vorstellungsvermögen und Zusammenspiel der beiden Gehirnhälften der Kinder. Die vielfältigen künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten in den unterschiedlichen Werkstätten sprachen die verschiedenen Persönlichkeiten der Kinder sehr an. Aber nicht nur die Entwicklung von persönlicher Kreativität, sondern auch die ablaufenden Gruppenprozesse spielen eine wichtige Rolle. Die Kinder lernten und übten Gruppenkompetenzen wie teilen, sich gegenseitig helfen und aufeinander warten. Ganzheitliches Gestalten mit verschiedenen Sinnen ermöglichte das Entfalten von Emotionen, Träumen und Phantasien bei den Kindern. Die Entwicklung von Selbstvertrauen („das habe ich alleine geschafft“) und Persönlichkeit wird auf diese Weise gestärkt. Da das Arbeiten mit verschiedenen Materialen und diese sinnliche Erfahrung eigenständig ist, bietet diese Kooperation auch gerade für die Kinder die in den LRS-Klassen der Hans-Thoma-Schule sind, gute Entwicklungsmöglichkeiten, die unabhängig von einer schulischen Leistung sind.
Krönender Abschluss und Pressestimmen
Bei einer Abschlusspräsentation mit einer kleinen Aufführung im Veranstaltungsbereich des jubez am 19.07.10 stellten die SchülerInnen ihre fertigen Produkte vor und demonstrierten, wie man sie benutzt. Zudem fand am 05.07.10 ein Pressetermin mit allen Beteiligten in den Werkstätten des jubez statt.
Langfristige Kooperation in Planung
Ziel ist, diese Form der Kooperation, bei der die Viertklässler der Hans-Thoma-Schule in die Werkstätten des jubez kommen, in den folgenden Jahren zu etablieren. Für 2010/2011 läuft die Planung schon.
Nachhaltige Wirkung der Kooperation
Das handwerkliche und künstlerische Arbeiten hat die SchülerInnen offensichtlich so angesprochen, dass sie nun auch die offenen Werkstattangebote des jubez nutzen und diese inzwischen fester Bestandteil ihrer Freizeitgestaltung sind. Besonders schön ist, dass auch Kinder, die vorher skeptisch waren, sich nun voller Begeisterung eigene Projekte ausdenken und diese umsetzen wollen.
| Verantwortlich: | Kontakt: |
| Anna Schreier |
Tel.: 0721/93519-52
E-Mail: a.schreier(at)stja.karlsruhe.de |

